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Nach den wiederholten Attacken mit Buttersäure auf die neue Bar „Eden“ am Schloßberg gibt es nun Grund zur Hoffnung, dass dieser Spuk ein Ende haben könnte. Foto: Meyer

Stinkattacke weitet sich zur Serie aus: Steckt eine Gruppe dahinter?

Pforzheim. Was treibt einen Täter dazu, Besuchern und Betreibern einer Bar auf übelste Weise den Spaß und das Geschäft zu verderben? Diese Frage beschäftigt die Ermittler nun mehr denn je. Bereits zum vierten Mal ist im Umfeld der neuen Bar „Eden“ am Schloßberg stinkende Buttersäure verspritzt worden. Zu einer Serie weitet sich also offenbar eine Attacke aus, die alles andere als ein Kavaliersdelikt ist und rund um den Globus immer wieder für Schlagzeilen sorgt – seit Jahrzehnten.

Laut Polizeisprecher Dieter Werner war es am ersten Weihnachtsfeiertag gegen 21 Uhr, als seine Kollegen abermals zum Schloßberg gerufen wurden. Im Stiftshof sei beißender Geruch festgestellt worden. Im Gebüsch habe man eine Flasche gefunden, aus der offenbar die Flüssigkeit verspritzt wurde. Wohin genau, konnte auch die Feuerwehr nicht eruieren. Der Gestank habe „wie eine Glocke über der Örtlichkeit“ gehangen, so Werner. Luftmessungen hätten aber keine Hinweise auf Gesundheitsgefährdung ergeben.

Seit Ende November hatte es rund um die Bar kurz hintereinander drei solcher Attacken gegeben. Einmal wurden Platten auf dem Fußweg vorm Eingang verunreinigt, zweimal spritzten Unbekannte die Säure in die Lüftungsschlitze des Geländewagens eines Mitgesellschafters. Aufnahmen der Video-Überwachung brachten die Ermittler auf die Spur eines Tatverdächtigen. Ob dieser bereits vernommen wurde, konnte Werner gestern nicht sagen.

Der neuerliche Fall wirft die Fragen auf, ob die Polizei den Richtigen hat oder ob der Verdächtige Teil einer Gruppe ist, die einfach weitermacht.

Die Beweggründe sind ebenso noch völlig unklar. Mitgesellschafter Janis Wiskandt hatte jüngst gegenüber der PZ gesagt, vor einem Rätsel zu stehen, es gebe keine Konflikte mit Dritten. Buttersäure wird immer wieder eingesetzt, um unliebsamen Nachbarn oder Mitwerbern zu schaden. So berichtet etwa aktuell die Stuttgarter Presse, dass die Betreiber eines Szenelokals nach einer mysteriösen Serie von Buttersäure-Anschlägen entnervt aufgeben und den Laden wieder schließen, den sie erst vor gut einem Jahr eröffnet hatten. Im Oktober machte eine Stinkattacke auf eine Arztpraxis in Hamburg Schlagzeilen. Im November waren zwei Hostels in Berlin betroffen. Im Juni mussten im bayerischen Schwandorf 14 Bewohner aus einem Mietshaus in Sicherheit gebracht und teils behandelt werden, zwischenzeitlich waren dort bis zu 70 Rettungskräfte im Einsatz. Letzterer Fall unterstreicht, dass Täter nicht nur Gefahr laufen, sich wegen Sachbeschädigung verantworten zu müssen. Der in Schwandorf Gefasste wird der gefährlichen Körperverletzung angeklagt, für die der Strafrahmen eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren Haft umfasst.

Buttersäure, eigentlich Butansäure, kommt in etlichen Branchen zum Einsatz, etwa in der pharmazeutischen und chemischen Industrie. Die farblose Flüssigkeit stinkt nach Erbrochenem und kann Übelkeit, aber auch Kopfschmerzen, Reizungen der Atemwege und Verätzungen auslösen. Insbesondere in den USA wird sie oft als Mittel der Geschäftsschädigung und Sabotage missbraucht, und dies bereits seit den 1920er-Jahren, als Stinkattacken bei Streitigkeiten unter Wäschereien, aber auch zwischen Restaurants gang und gäbe waren.

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