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Alle Hände voll zu tun hat Alisia Sina Wagner, um die von Christian von Tettau und Adrian Veer (rechts) aus geliehene Kunst – hier ein Relief von Petra Huber – fachgerecht zu verpacken. Foto: Ketterl

Großer Andrang bei der Künstler-Artothek in der Pforzheim Galerie

Pforzheim. Bereits um halb zwei ist der schmale Gang vor der Pforzheim Galerie proppenvoll mit Menschen. „Um vier Minuten vor 14 Uhr haben wir dem Druck nachgegeben“, sagt Regina Fischer. Was wie die Beschreibung vom Schlussverkaufs-Gedränge früherer Zeiten anmutet, ist gestern bei der Künstler-Artothek zu erleben. Viele Pforzheimer sind gekommen, um sich ihr persönliches Lieblingsstück unter den zur Ausleihe angebotenen Bildern, Fotografien und Skulpturen auszuwählen. Ganz schnell – ehe es ein anderer wegschnappt.

Denn für 20 Euro können sich nun ... Kunstfreunde über sechs Monate mit ihrem ausgeliehenen Stück freuen. „Vielleicht wird daraus ja auch eine längere Liebschaft“, sagt Stefan Kagerhuber. Er hat sich gerade zwei Klein-Skulpturen von Stefan Faas gesichert. „Mal sehen, ob etwas Größeres daraus wird“, sagt der Architekt. Und spricht damit nicht nur Organisatorin Regina Fischer aus dem Herzen.

Denn Sinn der neuen Artothek ist es auch, Kunstfreunde mit den Künstler in Verbindung zu bringen. „Wir vermitteln gerne den Kontakt“, sagt die Kunsthistorikerin. Dabei, sagt Bildhauer René Dantes, der ebenfalls mit drei Arbeiten vertreten ist, gehe es weniger um zukünftige Ankäufe, er freut sich vielmehr auf einen Dialog mit seinen Entleihern, unter anderem Stadtkämmerer Konrad Weber.

Und warum leiht wer welche Kunstwerke aus? „Weil ich diese elegante Linienführung großartig finde“, sagt eine Frau, „und die Skulptur wunderbar auf das Fensterbrett im Wohnzimmer passt“. Von der preisgekrönten Bildhauerin Manuela Tirler stammt die Arbeit, die gleich mehrfach begehrt ist. Barbara Pfeiffer hat sich für Fotografien von Winfried Reinhardt eingeschieden: „Weil diese Pflanzen-Aufnahmen, die auf seinem Balkon oder in unmittelbarer Nähe seiner Wohnung entstanden sind, einfach schön finde. Und weil ich ihn mag.“

Überhaupt sind viele bestens über die 23 Künstler informiert. Wissen bereits, auf wen ihre Wahl fallen wird. Und dennoch genießen alle den Gang durch die beiden Galerie-Räume, um vielleicht doch noch eine Entdeckung zu machen. Denn immerhin können drei Arbeiten gleichzeitig entliehen werden.

Am Ende um 18 Uhr ist nicht nur Regina Fischer zufrieden: Die Kunst ist an Mann und Frau gebracht. Und der Zuspruch zu den Artotheken – zuvor nur mit Werken der städtischen Sammlung bestückt – wächst stetig. „Es gibt schon einen richtigen Fanclub“, sagt sie. Und freut sich, dass auch das neue Konzept aufgeht. Deshalb wird es künftig auch beide Formen im Wechsel geben.

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