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Damals und heute: Der FC Germania Brötzingen stieg 1968 auf, 50 Jahre später hat sich die Mannschaft wiedergetroffen. Die Brötzinger Germanen beim Wiedersehen 2018 mit (hinten von links) mit Viktor Herzog, Siegfried Roth, Hans-Jürgen Staib, Walter Trautz, Helmut Bornbaum, Karlheinz Rolle und Karlheinz Battenfeld, sowie (vorne von links) Martin Eisler, Gerhard Watzl, Torhüter Jürgen Staib, Heinz Mitschele und Horst Fricke haben auf der Wilferdinger Höhe dieselbe Aufstellung wie auf dem Meisterschaftsfoto aus dem Jahr 1968 gewählt. Lediglich der verstorbene Trainer Richard Fix, der verstorbene Spieler Klaus Ott und Spielleiter Manfred Eberle fehlen. Foto: Hepfer
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Die goldene Generation von Germania Brötzingen schrieb Fußball-Geschichte

Pforzheim. Mit dem Fußball von heutzutage können die ehemaligen Kicker des FC Germania Brötzingen, die Ende der 1960er-Jahre bis hinein in die Siebziger ihren sportlichen Höhenflug erlebten, nur wenig anfangen. „Wir sind damals mit bis zu fünf Offensivleuten aufgelaufen“, erzählt Hans-Jürgen Staib, der rechter Halbstürmer war. Mit der offensiven Ausrichtung ist der Meistertruppe von 1968 etwas gelungen, von dem die heutigen Generationen des inzwischen zum SV Kickers Pforzheim fusionierten Vereins momentan nur träumen können: Fast schon sensationell hat die damalige „Goldene Generation“ der Germania um ihren Kapitän Helmut Bornbaum den Aufstieg in die 1. Amateurliga Nordbaden geschafft, was seinerzeit die dritte Fußball-Liga war.

Damit haben die Germanen als kleiner Vorstadtverein den größeren Clubs 1. FC Pforzheim und VfR Pforzheim den Rang abgelaufen – zumindest für kurze Zeit. Auf dieses sportliche Husarenstück ist die Brötzinger Truppe von 1968 heute noch stolz. Deshalb trafen sich die ehemaligen Fußballer gemeinsam mit ihren Ehefrauen fast genau 50 Jahre nach der damaligen Meisterfeier in der Vereinsgaststätte auf der Wilferdinger Höhe. „Alle waren von der Idee sofort begeistert und haben für das Treffen zugesagt“, erzählt Hans-Jürgen Staib, der zusammen mit Helmut Bornbaum die Begegnung organisiert hat. Aus dem Breisgau reiste eigens Siegfried Roth an, um seine ehemaligen Fußballerkollegen nach vielen Jahren wiederzusehen.

Auch nach 50 Jahren wird beim Brötzinger Meisterteam die Kameradschaft großgeschrieben. „Zu unserer Zeit ist nach den Spielen am Wochenende kaum einer mal vor 23 Uhr aus dem Clubhaus nach Hause gegangen. Sowas gibt es heute kaum noch“, meint Hans-Jürgen Staib. Der ehemalige Halbstürmer war auch 20 Jahre lang erster Vorsitzender beim FC Germania Brötzingen und wurde zudem zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Von den guten alten Zeiten, damals noch in der alten Germania-Kampfbahn im Brötzinger Tal, schwärmt er nach wie vor. Vor allem das entscheidende Relegationsspiel zum Aufstieg in die 1. Amateurliga ist ihm in lebhafter Erinnerung geblieben. Mit 4:0 fegten die Brötzinger damals Gegner Neckarelz vom Platz.

„In dieser Zeit durfte man noch nicht auswechseln“, betont Germania-Kapitän Helmut Bornbaum und fügt hinzu: „Wir haben die gesamte Meistersaison mit 13 Spielern durchgezogen. Das wäre heute nicht denkbar.“

Mitte Juni 1968 wurden seinerzeit unter dem Birkenfelder Trainer Richard Fix Meistertitel und Aufstieg gefeiert. Doch zum geplanten Meisterschaftsausflug einen Monat später an die Mosel kam es nicht. Schuld war der Tornado, der im Juli 1968 über Pforzheim und den Enzkreis hinwegfegte. Auch das alte Germania-Vereinsgelände im Brötzinger Tal wurde verwüstet. „Ein weißer VW-Käfer ist über den Fangzaun ins Stadion geweht worden. Das Clubhaus und die Umkleidekabinen waren total kaputt“, berichtet Hans-Jürgen Staib. Wiederaufbau der Platzanlage statt Ausflug hieß es nun. Unterstützt habe den Verein damals auch die benachbarte Firma Rau, die Umkleideräume und Duschen für den Spielbetrieb zur Verfügung stellten. „Dafür sind wir heute noch dankbar“, versichert Staib.

Die Germanen hielten sich einige Jahre in der 1. Amateurliga. Im ersten Jahr sprang ein neunter Platz heraus. In der Folgesaison 1969/70 rangierte die Germania als Sechster zwar hinter dem VfR Pforzheim, aber einen Platz vor dem 1. FC Pforzheim, bevor in der Runde 1970/71 der Abstieg nicht zu vermeiden war. „Es gab einige Unstimmigkeiten rund um die Mannschaft. Außerdem hat sich unser damaliger Spielmacher Gerhard Watzl kurz vor der Winterpause das Schienbein gebrochen“, erzählt Hans-Jürgen Staib.

Trotzdem habe die Mannschaft während dieser Zeit einen Klasse-Fußball gespielt. Über 100 Tore seien in der Meistersaison 1968, hauptsächlich von Torjäger Karlheinz Rolle, erzielt worden. Aber auch Gerhard Watzl oder Walter Trautz, der gegen Neckarelz ein spektakuläres 80-Meter-Solo mit einem Treffer abschloss, sorgten für Torgefahr. „Wir hatten eine ausgeglichene Mannschaft ohne Stars, so gut wie keine Schwachstellen und mit Richard Fix einen Trainer, der uns prima motivieren konnte“, blickt Hans-Jürgen Staib zurück. Der Zusammenhalt funktioniert bis heute: Als Karlheinz Battenfeld seine Mundharmonika hervorholt, wird im Chor das Badnerlied angestimmt.