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Die Bayern-Meisterelf im Jahr 1973: Hinten von links Franz Beckenbauer, Franz „Bulle“ Roth, Franz Krauthausen, Trainer Udo Lattek mit Meisterschale, Georg „Katsche“ Schwarzenbeck, Gerd Müller und Uli Hoeneß; vorne von links Wilhelm Hofmann, Johnny Hansen, Torhüter Sepp Maier, Edgar Schneider und Bernd Dürnberger.
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Verräterisches Kennzeichen: Edgar Schneider mit seinem Opel GT vor dem VfR-Clubhaus.
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Der Techniker mit dem harten Schuss: Edgar Schneider bei einem Bayern-Spiel an der Grünwalder Straße.
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Reichlich Erinnerungen: Edgar Schneider mit Fotos aus seiner langen und erfolgreichen Karriere.
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Hoher Besuch: Bayern-Manager Uli Hoeneß beim Abschiedsspiel für Edgar Schneider 1986 auf dem Holzhof.

Der deutsche Meister und Pokalsieger Edgar Schneider feiert seinen 70. Geburtstag

Pforzheim/Neuenbürg. Es gibt ja heute Statistiken für Alles und Jeden. Vor allem im Sport. So hat Edgar Schneider 2013 von einer ehrenvollen Einordnung im deutschen Fußball erfahren. Unter den Spielern, die in den ersten 50 Jahren des Fußball-Oberhauses mindestens 50 Begegnungen in der Bundesliga absolviert hatten, zählte er in Sachen Punkteschnitt mit 2,12 Zählern pro Einsatz zu den Top 10.

Viele Fußballfans in Deutschland würden nun fragen „Edgar wer?“. In Pforzheim hingegen kennen sie ihren Ede Schneider. Der technisch so versierte Spieler, der am Samstag, den 17. August, 70 Jahre alt wird, ist der erfolgreichste Fußballer, den die Region hervorgebracht hat. 1970 ging er mit 21 Jahren zum FC Bayern München, wurde dort zweimal deutscher Meister und einmal DFB-Pokalsieger.

Edgar Schneider spielte in München mit den ganz Großen: Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Uli Hoeneß, Sepp Maier, Paul Breitner. Mit ihnen wurde Deutschland 1972 Weltmeister. Franz Beckenbauer stieg damit in den Rang einer Lichtgestalt auf. Und Edgar Schneider war im Starensemble mittendrin, statt nur dabei. „In der Kabine ging es familiär zu. Wer kicken konnte und kein Schwätzer war, wurde akzeptiert“, berichtet der Pforzheimer.

Ein Lautsprecher war Edgar Schneider nie. Ihn zeichneten Zurückhaltung und Bescheidenheit aus. Und Fairness. Einen Platzverweis kassierte er nie. Und selbst eine Gelbe Karte ist aus seiner Zeit bei den Bayern nicht überliefert. Auf dem Platz ließ er dafür sportliche Taten sprechen. So wie im DFB-Pokalfinale 1971 gegen den 1. FC Köln, als er in der Verlängerung einen Distanzschuss zum 2:1-Siegtreffer in den Torwinkel jagte. Es waren Treffer dieser Art, die dem Pforzheimer den Beinamen „Hammer-Ede“ einbrachten.

Das Bayern-Angebot

Fußballerisch groß geworden war Edgar Schneider auf dem Holzhof beim VfR Pforzheim, wo er ab seinem zehnten Lebensjahr dem Ball nachjagte. Natürlich wurden auf den feinen Techniker auch die Proficlubs aufmerksam. Mit 20 Jahren erhielt Edgar Schneider die ersten Angebote von Bundesligisten, unter anderem vom Karlsruher SC. Dann aber kam Robert Schwan höchstpersönlich nach Pforzheim. Der Bayern-Manager legte dem Nachwuchskicker Zahlen vor, bei denen dieser einfach nicht nein sagen konnte. „Die Bayern boten das Dreifache der Konkurrenten“, erinnerte sich Edgar Schneider.

Das lag auch daran, dass Udo Lattek die Amateur-Nationalmannschaft trainiert hatte, in der der Offensivspieler aus Pforzheim 1969 sein Debüt gegeben hatte. Lattek wurde 1970 Bayern-Trainer – und wollte Edgar Schneider an die Isar haben. Es waren erfolgreiche Jahre. 1970/71 wurden die Bayern Vizemeister, danach folgten drei Meisterschaften in Serie. An allen drei Titeln war der Pforzheimer beteiligt, wenn auch am letzten nur noch teilweise. Denn im November 1973 wechselte Edgar Schneider nach 66 Spielen und sieben Toren für den großen FC Bayern zum FC Augsburg.

Was war der Grund? „Ich habe in München schon meine Einsätze gehabt. Aber ich wollte einfach immer spielen“, sagt der Jubilar. Und diese Aussicht bestand bei den Augsburgern, die damals in der zweithöchsten Spielklasse (Regionalliga Süd) spielten. Zudem erlebte der FCA gerade einen großen Hype, weil Augsburgs Fußball-Idol Helmut Haller aus Italien zurückkehrte und wieder für die Fuggerstädter spielte.

Knapp fünf Jahre trug der Pforzheimer das Trikot des FCA. Dann entschloss er sich zur Heimkehr nach Pforzheim. Da spielten für den Familienmenschen auch private Gründe eine Rolle. Edgar Schneider hatte neben dem Fußball Sozialpädagogik studiert, in Neuenbürg ein Haus gebaut. 1978 trat er eine Stelle im Jugendamt der Stadt Pforzheim an. Mehr als 30 Jahre kümmerte er sich beruflich um Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen. 1974 hatte er seine Frau Gabi, eine Neuenbürgerin, geheiratet. Mit ihr hat der ehemalige Profifußballer sechs Kinder. „Und wir haben auch schon zehn Enkelkinder“, sagte er voller Stolz.

Beim CfR aktiv

Sportlich hat sich Edgar Schneider nach seiner Rückkehr wieder bei den Rasenspielern engagiert. Bis 1986 spielte er für den VfR Pforzheim – unter anderem in der 1. Amateurliga –, dann war er vier Jahre Trainer auf dem Holzhof. Nach einer längeren Auszeit vom Fußball kam dann vom 1. CfR Pforzheim, dem aus dem VfR und dem FCP hervorgegangenen Fusionsverein in der Goldstadt, eine Anfrage. Jetzt ist Edgar Schneider Teammanager des Oberligisten. „Das war ja eigentlich nicht mein Plan“, gesteht er ein, ergänzt dann aber: „Solange es Spaß macht...“

Edgar Schneider vor Bastian Schweinsteiger

Als das Internetportal kickwelt.de 2013 eine Rangliste der Bundesliga-Spieler mit dem besten Punkteschnitt erstellte, dominierten die Münchner Bayern die Top Ten. Acht der besten zehn Spielern waren Münchner, daneben tauschten mit Sven Bender (Rang 4) und Robert Lewandowski (6.) zwei Spieler auf, die damals noch das Dortmunder Trikot trugen.

Gewertet wurden alle, die mindestens 50 Bundesliga-Spiele in ihrer Statistik stehen hatten. Spitzenreiter war mit 2,35 Punkten pro Einsatz – ein absoluter Spitzenwert – Arjen Robben, gefolgt von Anatoly Timoshchuk (2,29) und Frank Ribery (2,24). Hinter Thomas Müller und Bixente Lizarazu (je 2,18) belegt Edgar Schneider Rang neun (2,15), gefolgt von Bastian Schweinsteiger (2,14).